Polyamant
Montag, 1. Dezember 2014
Was ich brauche

Ich mag es, gebraucht zu werden. Wenn es sowas wie einen ganz persönlichen Sinn des Lebens gibt - also das, was mich direkt und unreflektiert mein ganz persönliches Dasein erkennen lässt und sinnhaft macht - dann ist es das.

Ich komme wunderbar mit Ablehnung, Dissonanz, anderer Meinung sein, ja sogar mit Hass als Reaktion auf das was ich tue oder wie ich bin aus. Das berührt mich nur in geringem Maße. Leicht verwirrte Verwunderung ist da schon viel an Reaktion. Ich muss nicht mit jedem auskommen. Manchmal ist das Schade, aber meistens kann ich problemlos damit leben. Ich kann Leute ganz gut in Ruhe lassen.

Womit ich nur schwer zurecht komme ist, reduziert zu werden. Das muss ich genauer erklären: Es ist so, dass ich für eine Verbindung mit anderen Menschen "Verbindungen" brauche, über die ich dann - ja, ich weiß, das ist ein Umweg, aber so ist es eben - Emotion, Gefühl, Hingabe, Zuneigung und so weiter spüren und geben kann. Eine solche Verbindung ist natürlich Sex, aber ich brauche vor allem solche, die über Entfernung funktionieren. Die einfachste Form dieser Verbindung ist, wenn ich etwas tun kann Zuhören. Beraten. Ermutigen. Diskutieren. Trösten. Aushelfen. Eben irgendetwas tun, was mir hilft, damit auch meine Gefühle zu teilen und zu transportieren. Und umgekehrt auch die umgekehrten Gefühle immer wieder neu zu erspüren.

Was mich eifersüchtig macht ist daher, wenn ich sehe, wie Menschen nicht zu mir kommen sondern sich an andere Menschen wenden. Natürlich weiß ich, dass das überhaupt keine realistische Einschätzung der Situation ist, aber ich fühle mich dann unnütz. Ich weiß, dass sich beim anderen Menschen nichts an seiner Beziehung zu mir ändert und das hilft mir auch, über diese seltsamen Ängste drüber zu kommen. Aber sie sind dennoch zunächst mal da.

Sie stellen doofe Fragen: Bin ich zu alt? Bin ich zu langweilig? Ist meine Loyalität zu selbstverständlich, so dass man gar nicht darüber nachdenken muss was ich empfinde?

Die Fragen sind unsinnig, denn sie setzen Dinge voraus: Einstellungen beim Anderen, die da gar nicht sein muss. Erwartungshaltungen, deren Erfüllung zu verlangen ich gar nicht das Recht habe. Aber sie sind dennoch da und untergraben meine Moral. Flüstern mich in blödes beleidigt sein. Und verderben mich auch einfach die Laune.

Aber ich weiß inzwischen, wie ich damit umgehen kann. Es hilft mir, mir zu gönnen, mich ein bisschen zu ärgern, eine Weile traurig zu sein. Vielleicht auch wütend. Das mach ich für mich alleine. Ich kann gut eine Stunde jammern, etwas schimpfen, etwas verzweifelt sein. Danach geht es mir wieder besser und ich kann die Dinge wieder im richtigen Licht sehen.

Denn ich mag ja verlässlich sein. Ich bin gerne loyal. Ich weiß ja und ich merke auch schnell wieder, dass nur weil denen die ich liebe andere Menschen auch wichtig sind, mein Wert nicht sinkt. Auch wenn der erste Moment mir etwas anderes weismachen will.

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ich finde das wunderbar - vielleicht weil ich auch so bin - doch mancher verstehts als einladung zum missbrauch was prima vera schwer unterscheidbar sein kann und einem so höllenpfeile in die offene flanke der glückserwartung eintragen kann...

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das stimmt zwar, aber auch die Fähigkeit, das zu erkennen ist eine, die man üben und entwickeln kann. Die Konsequenz daraus wenn das doch mal wieder jemand ausnutzen konnte ist jedenfalls nicht, sich zu verschließen. Was auch hilft ist, keine direkten Erwartungen vom Gegenüber zu haben - das würde die ganze Sache ohnehin sehr berechnend machen und nichts liegt mir ferner, jemanden in moralische Schulden zu treiben.

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